Fasten und Gerechtigkeit

In allen Fastentraditionen der Welt spielt neben dem Körperlichen und Seelischen Erneuerungsprozess das Soziale eine Wesentliche Rolle. Corporate Social Responability (CSR) nennt man heute diese Erkenntnis in allen ganzheitlich erfolgreichen Unternehmen.

Früher hieß das: Gute Werke tun. Wer nur auf sich schaut sieht nie das Ganze. Das wissen auch wir bei der ggf. Deshalb haben wir auch in unserem Ehrenkodex die soziale Einbettung der Fastenden thematisiert. Die sozialen Nöte, die oft ungerechte Nebenwirkungen der Globalisierung sind, rufen uns die wir nicht hungern sondern aus gesundheitlichen Gründen fasten, in unser Gewissen hinein. Gerade Flüchtende sind Opfer von Naturkatastrophen, Klimawandel und Kriegen. Zumeist ist die „westliche Welt” Auslöser für viele Kollateralschäden.

Ein Herz für die Notleidenden zu haben und gewisse Ungerechtigkeiten in der Welt zu erkennen, zeichnet Fastende aus. Auf vielfältige Weise können wir handeln. Auch indem wir ein Zeichen setzten. Am Samstag den 19.Juni ist Weltflüchtlingstag. In Wien und in vielen anderen Städten finden Solidaritätsätbekundungen statt. Gehen auch wir hin und zeigen damit, dass wir Platz in unserem Herzen und in Österreich haben, um die Not zu lindern.

Infos unter: www.courage.jetzt

Hans-Peter Premur

Adolf Just und die heilende Erde

Adolf Just begründete vor 125 Jahren am 21. Juni 1896 die Licht-Luft-Therapie im Harz, Deutschland und entdeckte die Heilerde wieder, denn die heilsame Wirkung einer Auflage aus natürlicher Erde war bereits in der Antike bekannt. Doch dieses Wissen geriet im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen der Naturheilkunde, besann man sich wieder auf die heilenden Kräfte der Natur. Die „Heilerde“ ist bis heute unverzichtbarer Bestandteil der modernen Naturheilkunde.

Mit seiner Kur, die wir heute als „Medical Wellness“ bezeichnen würden, traf Just den Nerv der Zeit: Der Jungborn entwickelte sich zur größten Naturheilanstalt in Deutschland. Bis zu 350 Besucher kamen täglich, um das naturnahe Leben zu erfahren, darunter die Schauspielerin Marika Rökk, der Schriftsteller Franz Kafka oder der Anthroposoph Rudolf Steiner.

Das Naturheilmittel Heilerde wiederentdeckt

Adolf Just behandelte seine Patienten mit heilender Erde, zunächst nutzte er sie in Form von Wickeln, Packungen und Bädern zur Behandlung von Wunden. Später führte er auch die innerliche Anwendung der Heilerde ein. Die Kombination aus der Anwendung der natürlichen Luvos-Heilerde mit den vielen Facetten eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils, würde man heute als „Medical Wellness“ bezeichnen.

So suchte er vor mehr als 100 Jahren nach einem geeignetem Lössvorkommen und wurde im Harz fündig: Dieser Löss verfügt über eine optimale Zusammensetzung natürlicher Mineralien und Spurenelemente und besteht aus den häufigsten Elementen der Erdkruste wie Silizium, Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie Spurenelementen wie Kupfer, Mangan, Nickel und Zink. Er eignet sich daher besonders für die innerliche und äußerliche Anwendung. Just entwickelte ein spezielles Verfahren zur Aufbereitung, indem er den Löss trocknete, siebte und vermahlte. Er nannte seinen Löss „Heilerde“ und gründete 1918 die Heilerde-Gesellschaft Luvos.

Fein vermahlen ist Heilerde besonders wirksam

Die Wirkung dieser heilenden Erde wird zusätzlich verbessert, wenn man den Feinheitsgrad durch Vermahlen erhöht. Sie wird mit modernster Technik schonend aufbereitet: Um mögliche Keime abzutöten, trocknet man Heilerde zuerst bei 128 Grad. Anschließend wird der Löss fein vermahlen und in unterschiedliche Feinheitsgrade gesiebt, um die jeweilige therapeutische Wirkung zu erhalten.

Wie wirkt Heilerde?

Durch ihre große innere Oberfläche entwickelt die fein vermahlene Heilerde ein besonderes Bindungsvermögen. Deshalb kann sie andere Stoffe wie ein Schwamm binden (ad- und absorbieren). Aufgrund ihrer Zusammensetzung kann sie überschüssige Säure schnell und effektiv binden.

Heute wird Luvos-Heilerde zur innerlichen Anwendung bei Sodbrennen, funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarm und Reizmagen sowie zur Bindung von Cholesterin und Schadstoffen aus der Nahrung eingesetzt.

Elisabeth Newald

Rätsel – hafte Ernährungspyramide

Die meisten KonsumentInnen wissen, dass es eine Ernährungspyramide gibt. Wie genau diese aussieht ist allerdings häufig zweifel-haft. Verständlich: immerhin hat sich der Aufbau dieser bildhaften Ernährungsempfehlung im Laufe der Zeit mehrfach gewandelt.

So waren z. B. Getreideprodukte die längste Zeit die Basis über den Getränken und unter der Gemüse-/Obstposition (Deutsche Ges. f. Ernährung bis 2005). Seit geraumer Zeit sind diese Positionen auch in der Österreichischen Ernährungspyramide (seit 2010) vertauscht: Basis (über den Getränken) ist jetzt Gemüse und Obst, erst dann kommen Getreide-/stärkehältige Produkte (Kartoffeln). Eine Erklärung für diese frag-würdige Anordnung fehlt auf der Seite der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, überprüft am 7. 5. 2021). Wie soll das in der Praxis umgesetzt werden: statt Brot mit Gurke Gurke mit Brot?!? Eine mögliche Erklärung ist, dass die große Bedeutung von Gemüse/Obst als Lieferanten von Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen hervorgehoben werden soll. Vor allem vor dem Hintergrund eines im Bundesdurchschnitt immer noch unbefriedigenden Verbrauchs an dieser Pflanzengruppe. Zwei weitere Details aus dieser Ebene der Pyramide sollen hinterfragt werden: in der Obstgruppe werden neben Äpfeln Bananen dargestellt. Ein klarer Widerspruch zur Empfehlung, heimische, saisonale Ware zu bevorzugen. Für viele unerklärlich ist auch die Gewichtung: von 5 Portionen täglich sollen 3 über Gemüse und 2 über Obst gedeckt werden. Eine zwar banale, aber realistische Begründung dafür könnte sein, dass in heimischer Landwirtschaft mengenmäßig mehr Gemüse als Obst erwirtschaftet werden kann.

Die Ernährungspyramide wird von vielen VerbraucherInnen wie auch Ernährungsfachkräften (seufz!) als allgemeinverbindliche Verzehrsempfehlung (miss-)verstanden, auch was die 5. Position (Fleisch, Fisch, Eier) betrifft. AGES: „Essen Sie pro Woche mindestens 1 – 2 Portionen Fisch und bevorzugen Sie dabei fettreichen Seefisch (Makrele, Lachs, Thunfisch)…“. Eine konsequente österreichweite Umsetzung dieser Empfehlung ist angesichts der bereits bestehenden Überfischung der Meere weder möglich noch sinnvoll. „Essen Sie pro Woche maximal 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstprodukte.“: das bedeutet für viele KonsumentInnen eine relativ drastische Einschränkung, die allerdings aus ökologischer wie auch gesundheitlicher Sicht absolut sinnvoll und gut begründbar ist. Trotzdem wird das von vielen nicht nur als „Erlaubnis“, ja Empfehlung zum Fleischverzehr gewertet und unterstützt das Vorurteil, eine Ernährung ohne tierische Produkte sei nicht möglich, bzw. bedenklich. Aber natürlich gibt es auch eine Ernährungspyramide für VegetarierInnen/VeganerInnen, die Giessener vegetarische/vegane Lebensmittelpyramide. Auch hier rangiert Gemüse/Obst unter den Getreideprodukten. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar: auch vegetarische und vegane Ernährungsformen sollten elementare ökologische Gegebenheiten nicht ignorieren. So lassen sich (weltweit) in der Landwirtschaft stärkehaltige Grundnahrungsmittel (Getreide, Kartoffeln) in größeren Mengen erwirtschaften und leichter lagern als Gemüse/Obst. Die „Sattmacher“ bilden also fast überall in der Welt die Basis der Ernährung und dies kann und sollte nicht geändert werden.

Falls jemand meine Betrachtungen für übertrieben hält: bei Empfehlungen, die von gut ausgebildeten österreichischen Fachleuten entworfen und in Kampagnen mit österreichischem Steuergeld promotet werden würde ich mir mehr Sorgfalt wünschen.

Relativierend muss man aber feststellen, dass der Effekt von Werbe-/Informationskampagnen über die Ernährungspyramide auf die Gesundheit im Bundesdurchschnitt verschwindend gering ist. Zusammengefasst: schadet wenig, nutzt wenig, aber das viele Geld das das gekostet hat/kostet ist halt auch weg.

Martin Taubert-Witz

Austauschgruppen Online Fasten und Fastenwandern/-trekking

Neues ggf Format: Thematische Austauschgruppen für ggf Trainer*innen!

Was möchten wir anders oder besser tun können? Das sind typische Fragen, mit denen sich Erfahrungsaustauschgruppen beschäftigen.  Der Wunsch ist, voneinander und miteinander zu lernen. Im ersten ggf Netzwerktreffen haben sich spontan zwei solcher Austauschgruppen gegründet: eine zum Thema Online Fasten, eine zweite zu Fastenwandern und Fastentrekking.

Austauschgruppen können sich im Rahmen von ggf Netzwerktreffen bilden. Sie sind von den ggf Mitgliedern selbstgesteuert und offen. Sobald sich eine Gruppe zu einem Thema zusammengefunden hat und ein Host bereit ist,  die Gruppe zu koordinieren, kann es losgehen. Wie oft sich die Gruppe trifft und wie sie ihr Lernen gestaltet, wird unter den Gruppenmitgliedern ausverhandelt. Allerdings verpflichtet sich die Gruppe zu Transparenz und Offenheit für alle ggf Mitglieder und berichtet in den ggf Netzwerktreffen über Aktivitäten und Erkenntnisse der Gruppe. Austauschgruppen sind offen für alle aktiven Trainer*innen Mitglieder.

Austauschgruppe #01 Online Fasten

Diese Gruppe hat sich am 22. Februar gegründet. Host dieser Gruppe ist Christina Thomar
(bei Interesse an Teilhabe an dieser Gruppe E-Mail an christina_thomar@yahoo.de)
 

Wo: Zoom (Sie erhalten den Link bei der Anmeldung)

Wer kann teilnehmen: Offen für alle aktiven Mitglieder des ggf Netzwerkes

Austauschgruppe #02 Fastenwandern / Fastentrekking

Diese Gruppe hat sich am 23.2. zusammengefunden, Host der Gruppe ist ggf Obfrau Lotte Krisper-Ullyett (bei Interesse an Teilhabe an dieser Gruppe lotte.krisper-ullyett@gesundheitsfoerderung.at). Fastenwandern ist in Österreich nicht so selbstverständlich wie in Deutschland, wo der “Erfinder des Fastenwandern” Christoph Michl seit 30 Jahren diese spezielle Form des Fastens entwickelte und bekannt machte. Nun bietet die ggf dem Thema Fastenwandern Heimat und lässt zudem eine beinahe in Vergessenheit geratene Variante des Fastenwanderns hochleben: das Fastentrekking (oder Fastenpilgern, Fastenweitwandern genannt). Vision: Österreich entwickelt sich in den kommenden Jahren zum “Mekka für Fastentrekker”! Über dieses Vorhaben wurde am 19.2.  im Artikel “Neue Erfahrung Fastentrekking”  in der Fastenbeilage der OÖN (S 26.)  berichtet.

Auch diese Ausztauschgruppe ist offen für alle aktiven ggf Mitglieder .

Passend zum Thema Fastentrekking wurde die Durchführung des ggf Netwalks vom 26.9. – 2.10. beschlossen. Vorreservierungen werden ab sofort entgegengenommen.

ggf Netzwerktreffen – Rückblick und Vorschau

Die Stärkung des ggf Trainer*innen Netzwerks ist das wichtigste Anliegen im Rahmen der Neuausichtung der ggf im Jahr 2021.  Zu diesem Zweck finden seit Beginn des Jahres regelmäßige Vernetzungstreffen statt. 28 ggf Trainer*innen und Partner*innen folgten der Einladung zum ersten ggf Netzwerktreffen am 27. Jänner. Im folgenden geben wir einen Rückblick auf das erste Treffen und eine Vorschau auf das nächste Treffen am 24. März.

Rückblick ggf Netzwerktreffen #01 am 27.1.

Es herrschte fröhliche Aufbruchstimmung beim ersten Treffen in Zoom! Bemerkenswert war die Bandbreite der Teilnehmenden: Manche hatten noch gar keine Fastenkurse geleitet, manche bereits mehr als 150.

In der Aufwärmrunde sprachen wir in Kleingruppen über unsere Aspirationen. Wie toll wäre es, wenn…?

In der zweiten Runde tauschten wir uns in Kleingruppen über unsere bisher herausforderndsten Situationen als Fastentrainer*in aus, wie wir sie meisterten und in Zukunft vermeiden können. Was ist zu tun, wenn jemand seinen Herzschrittmacher verschweigt oder sein Basenbad getrunken hat?

Im Laufe des ersten Netzwerktreffens kristallisierten sich allerdings bald zwei Themen heraus, mit denen sich die ggf Trainern*innen intensiver befassen wollten und aus diesem Grund Austauschgruppen bildeten: Online Fasten und Fastenwandern / Fastentrekking. Wie Austausgruppen funktionieren und wie Sie daran teilnehmen können, erfahren Sie im Beitrag ggf Austauschgruppen.  In jedem Fall verpflichten sich die Austauschgruppen, in den ggf Netzwerktreffen regelmäßig über Aktivitäten und Ergebnisse zu berichten.
Zum nächsten Netzwerktreffen laden wir alle ggf Trainer*innen Mitglieder herzlich ein:

Vorschau ggf Vernetzungstreffen #03 am 9. Mai

Wann: 18:00 – 19:30 Uhr
Wo: Zoom (Sie erhalten den Link bei der Anmeldung)
Wer: Offen für alle Mitglieder des ggf Netzwerkes
Was: Sie erfahren über aktuelle Entwicklungen in der ggf, arbeiten in Kleingruppen an bestimmten Fragestellungen, lernen Kolleg*innen und Partner*innen des Netzwerks kennen und können selbst Impulse in das Netzwerk einbringen, indem sie bspw. eine Austauschgruppe zu einem bestimmten Thema bilden. Diesmal bitten wir auch einen Partner oder eine Partnerin “auf den heißen Stuhl”: Was macht Deinen Ansatz in Bezug aufs Fasten besonders?

Termine ggf Vernetzungstreffen 2021,
bitte anmelden (auf den Link klicken)

27. Jänner
24. März
19. Mai 
23. Jun
8. Sep
10. Nov

jeweils 18:00 – 19:30

ggf Netwalk 26.9.- 2.10. Hemma Pilgerweg – jetzt anmelden

Sich online vernetzen tut gut, aber “gemeinsam gehend fasten” finden wir noch besser!

In diesem Sinne laden wir alle ggf Mitglieder zum ggf Netwalk ein. Unsere Vision: ggf Trainer*innen und Mitglieder,  jung und alt, kommen von nah und fern zusammen und gehen gemeinsam fastend (Buchinger/Lützner) den Hemma Pilgerweg. Es gibt Zeit zum Gehen, Zeit zum Liegen, Zeit zum Schweigen, Zeit zum Lernen, Zeit zu Vernetzen und Zeit um innezuhalten: Wohin gehen wir, die ggf, die Welt?

Wir starten am Sonntag zu Mittag in Bleiburg, wo uns ggf Vorstandsmitglied Hans-Peter Premur kulturelle Einblicke gibt und uns auf die Woche spirituell einstimmt. Je nach Teilnehmeranzahl werden wir uns während des Wanderns in kleinere Gruppen aufteilen, jeweils geführt von ggf Fastenwanderführer*innen. Die Streckenführung verläuft über Pirkdorfer See – Hemmaberg – Eberndorf – Völkermarkt – Diex- Hochfeistritz – Brückl – Christophberg – Magdalensberg – Hochosterwitz – St. Georgen – Schloß Pöckstein – Straßburg – Lieding – Gurk (Änderungen vorbehalten). In Gurk werden wir von Hans-Peter erwartet, der uns an bemerkenswerte Orte in Gurk und im Stift führt und mit uns das Fastenbrechen zelebriert.

Was investiere ich?

  • Meine Zeit
  • Meine Schuhsohlen
  • Meine Energie
  • Mein Geld – € 680 (=ermäßigter Preis für ggf Trainer bei Anzahlung bis 31.05.21)

Was bekomme ich dafür?

  • Die Erfahrung eines einwöchigen Fastentrekkings
  • Zeit, um bei mir anzukommen, neue Energie zu tanken und die Leistungsfähigkeit meines Körpers zu erleben
  • Möglichkeit zum inhaltlichen Austausch mit ggf Trainerkolleg*innen ohne Zeitdruck
  • Möglichkeit, den eigenen speziellen Ansatz rund ums Fasten im Kreis von Kolleg*innen zu präsentieren
  • Anerkennung der Veranstaltung als Fortbildung für ggf Mastertrainer
  • Täglich: Morgenimpulse, Schweigeblöcke, um in Stille Gehen, Landschaft und Natur zu genießen, ausgedehnte Mittagspausen für Erholung und Leberwickel, nachmittags Weiterbildung, Austausch über verschiedene Ansätze von Trainerkolleg*innen, abends Impulsvorträge, Diskussion, Entspannung
  • Ein- und Überblick in die ggf und die Möglichkeit der Mitgestaltung bei zukünftigen Projekten
  • Begegnung mit Künstlern in Bleiburg und Gurk
  • Fastenkabarett zum Abschluss 🙂

Typischer Tagesablauf

Um die wohltuende Erfahrung des Fastentrekkings mit Weiterbildung und Netzwerken zu verbinden, haben wir uns folgende Tagesablauf überlegt:

08:00 Morgentee (bzw Basenfastenkost) und Morgenimpuls
09:00 Aufbruch – Langsames Gehen im Fastenschritt mit häufigen kurzen Trinkpausen. Für einige Stunden bleiben wir in der Stille, um ganz bei uns zu sein, hineinzuhorchen und offen zu sein für die feinen Impulse unserer Seele.
13:00 – 14.30 Nun ist es Zeit für eine ausgedehnte Pause, in der wir uns mit Fastenbrühe, oder alternativ Obst/Gemüsesaft bzw. Grapefruit stärken (bzw. bzw Basenfastenkost) und die Gelegenheit zu einer Mittagsrast im Liegen und für einen Leberwickel (wenn das Wetter mitspielt) nutzen.
14.30 Uhr geht es weiter, jetzt ist die Zeit für angeregten Austausch von Erfahrungen, Erlebnissen und Fragen, die uns beschäftigen. Wir laden alle Teilnehmerinnen herzlich ein, sich selbst der Gruppe zu präsentieren – nach dem Motto, dass wir alle von allen etwas lernen können. Das kann ein kurzer Input während einer Wanderpause am Nachmittag sein, eine Übung, die ihr gerne mit euren KollegInnen teilen wollt oder eine Meditation. Eurer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt! Je nach Weglänge und Programm rechnen wir
16:00 – 18:00 Ankunft im Quartier
19:00 Fastenbrühe (bzw Basenfastenkost)
19:30 Abendrunde, Zeit für eure Impulsvorträge, Erfahrungsberichte, Dehnungs- oder Entspannungsübungen, Singen, Tönen, Musizieren, Meditation, Zitate, Gedanken, Diskussionsthemen u.u.u

Es bietet sich an, am 2.10. das ggf Genussfest dranzuhängen. Das Programm dafür ist gerade in Ausarbeitung, kreative Einfälle aus dem Netzwerk sind herzlich willkommen. Wir werden in jedem Fall für genussvolle Aufbaukost der Faster*innen sorgen.

Maximale Teilnehmerzahl (mit Übernachtung) 30 Personen.

Hilfe! Ich bin zu dick!

In den letzten Jahrzehnten spielten jene medial vermittelten Körperbilder eine zunehmende Rolle, die von einem verzerrten Schlankheitsideal geprägt sind. Die Hungerjahre nach dem zweiten Weltkrieg waren kaum überstanden und der Garant für ausreichende Nahrungszufuhr an der Leibesfülle abzulesen, als um 1970 ein neues Frauenrollenbild propagiert wurde. „Twiggy“ erschien auf der Bildfläche. Eine androgyne Frauengestalt mit schmalen Hüften und kleinem Busen vermittelte ein neues asketisches Frauenbild, wo der animalische Anteil (Schweiß, Behaarung, etc.) abgespalten wurde.

Sandro Boticelli (1455-1510) ein Maler aus Florenz malte im Geiste der Frührenaissance seine berühmte Geburt der Venus. In einer Muschel stehend lässt sich Venus von göttlichem Atem ans Ufer wehen, um dort in Empfang genommen zu werden. Würde sich diese Venus – ein Schönheitsideal weit über ihre Epoche hinaus – heute in einer Model-Agentur bewerben, würde man ihr anraten, mindestens zehn Kilo abzunehmen, um eine reelle Chance beim nächsten Casting zu haben. Als Hausarzt würde ich ihr wahrscheinlich empfehlen ihren BMI von 25 nicht zu überschreiten, da es mit fortschreitendem Alter immer schwieriger wäre das Gewicht zu halten.

Ein schlanker sportlicher Körper war und ist Ausdruck von Gesundheit, Vitalität und Leistungsfähigkeit. Die Fehlentwicklung dieses Schlankheitsideals führte allerdings dazu, dass der Körper zur Ware und zum Kapital einer individualisierten Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft wurde. Zudem führt die permanente Konfrontation mit medialen Schlankheitsbildern zu einer Verunsicherung über das eigene Aussehen vor allem von Frauen. In meinen jahrelangen Psychotherapien bin ich immer wieder überrascht über die entwertenden und dysmorphen Bilder, die viele Frauen mit ihrem Körper verbinden. Die, durch die gesellschaftliche Rolle der Frau determinierte Entfremdung von ihrem Körper, wie auch vom Essen als Möglichkeit individueller Bedürfnisbefriedigung erklärt auch, warum vor allem Frauen in den westlichen Industriegesellschaften von Essstörungen betroffen sind.

Zurzeit gibt es einen neuen Schönheitskult: Der „Thigh Gap“ (zu Deutsch: Die Oberschenkellücke) ist aus den USA (wie so vieles) in Österreich gelandet. Es geht hier um einen deutlich sichtbaren Abstand der Oberschenkel von den Knien bis zum Schritt. Je größer dieser Abstand – umso näher ist man dem neuen Schönheitsideal. Ein weiteres Ideal ist die sogenannte „Bikini-Brücke“. Hier soll der Bund des Bikini-Höschens auf keinem Fall den Bauch berühren. Die damit erforderlichen Konfektionsgrößen 32-34 alarmieren Eltern, Ärzte und Psychotherapeuten. Der Schönheitsmarkt ist überproportional angewachsen. Tausende Schönheitsoperationen und Botox-Infiltrationen fetten die Honorare geschäftstüchtiger Ärzte und Ärztinnen kräftig auf.

Aber wie kommt es überhaupt zu dieser Störung des eigenen Körperbildes?

Ich denke da an eine Klientin, die ich vor vielen Jahren wegen einer Essstörung in Therapie hatte. Sie war attraktiv, hatte eine gute Figur, aber lehnte sich von Grund auf ab, fand sich dick und hässlich und vor allem nicht liebenswert. Wenn es ihr gut ging, erlebte ich sie selbstbewusst, aber schon in der darauffolgenden Stunde gestand sie mir, dass sie sich unbedeutend und minderwertig fühle. Sie mache sich ständig Gedanken, was andere von ihr denken könnten und konnte sich nicht vorstellen, dass sie irgendjemand gefallen könnte. Ihr größter Wunsch war, allen zu gefallen.

Hier wird eindrücklich der Zwiespalt zwischen ihrer äußeren Maske (Fassade) und ihrer inneren Unsicherheit und Abwertung sichtbar. Diese Frau hatte Probleme, ihren Körper und ihr Gewicht anzunehmen. Ihre Hungergefühle kann sie nicht mit Essen stillen, weil es sich nicht um einen körperlichen, sondern um einen seelischen Hunger handelt. Andererseits versuchen sie, ihre Selbstwertprobleme durch einen schlanken Körper wettzumachen. Sie sind überzeugt nur liebenswert zu sein wenn sie schlanker wären. Sie streben danach, gut auszusehen, körperlich topfit, gut drauf zu sein, mit anderen Worten, ewige Jugend, Schönheit und Leistungsfähigkeit zu besitzen.

Ich möchte hier kurz beschreiben, wie die psychische Entwicklung dieser Frau ausgesehen hat. Eine Familie mit fünf Kindern, davon drei Töchter. Meine Klientin ist die Älteste unter den Geschwistern. Der Vater hat ein Alkoholproblem und die Mutter ist in dieser Situation heillos überfordert. Sie überträgt nun in ihrer Not einen Teil der Verantwortung für die Kinder auf die älteste Tochter. Sie wird zur Ersatzmutter für ihre Geschwister. Einerseits wird sie zur Nummer eins für ihre Mutter, andererseits muss sie schon in frühen Jahren Funktionen erfüllen, um ihre Mutter aus ihrer existentiellen Notlage zu befreien. Das wichtigste ist, es muss der Mutter gut gehen. Der phantasierte Verlust der Mutter ruft Verlassenheits- und Todesängste hervor. Die Mutter liebt das Kind nicht so, wie es ist, sondern nur ein bestimmtes Bild von ihm. Das führt dazu, dass das Kind in seiner Entwicklung seine eigene Lebendigkeit und Autonomie opfert. Die Tochter versucht also durch besondere Anpassung an die Erwartungen der Mutter, ihr alles Recht zu machen, ihr zu entsprechen und dadurch geliebt zu werden.

Man spricht hier von einer narzistischen Mutter, die ihre Tochter ausbeutet. Damit verbunden ist die zunehmende Unfähigkeit der Tochter eigene Gefühle zu leben und auf Dauer sie gar nicht mehr wahrzunehmen. Sie wird die eigenen Empfindungen anzweifeln und sie allmählich bei sich selbst verleugnen. Auch körperlich-sinnliche Gefühle, sexuelle Erregung müssen mit Beschämung und Schuldgefühlen abgewehrt werden. Der Schwerpunkt ihrer Körpererziehung liegt weniger auf dem lustvollen Erleben und Kennenlernen des eigenen Körpers, als vielmehr auf Training und Anpassung an bestimmte Normen.

Eine andere Patientin hat mir ein Bild aus ihrer Kindheit gezeigt, wo sie die Kinder alle mit O-förmigen Mund gezeichnet hatte. Auf die Frage der Mutter, berichtet sie, die Kinder würden schreien! Die Antwort der Mutter aber war: „Ach, die lachen nur“. Sie hatte das Erleben ihrer Tochter einfach umgedeutet und das Mädchen sah nun keine Möglichkeit mehr das schwierige Thema eines sexuellen Missbrauchs anzusprechen.

Sich virtuell in den sozialen Medien zu zeigen bedeutet für viele Frauen mit einem schwachen Selbstwertgefühl eine Art Schutz vor den direkten Reaktionen der anderen. Im extremen Fall ersetzen virtuelle Kommunikationen sogar persönliche Begegnungen. Letztlich ist auch hier die stärkste Triebfeder, die Angst vor dem Verlassenwerden.

Meine Klientin ist zwar nicht bindungslos, besitzt aber eine eingeschränkte Bindungsfähigkeit. Aufgrund ihrer frühen Erfahrungen erlebt sie die Nähe in Beziehungen ambivalent. Die Bindung, die sie erfahren hatte, war ja geprägt durch narzistische Ausbeutung und die Unmöglichkeit sich von der Mutter loszulösen. Eine eigenständige Entwicklung wurde somit verhindert (Obwohl die Tochter längst erwachsen ist, wurde sie nach wie vor von der Mutter mit „Kindchen“ statt ihrem Vornamen begrüßt). Spätere Bindungen zu potentiellen Partnern laufen dann nach dem gleichen Beziehungsmuster ab. Zuerst der Wunsch nach vollkommener Nähe (Verschmelzung) und Erfüllung aller Wünsche durch den Partner, bis zur Enttäuschung und Abweisung des Partners, als Schutz vor dem drohenden Trennungsschmerz (Symbiose-Autonomie-Konflikt).

Eine positive Einstellung zu sich selbst ist aber nur mit einer positiven Einstellung zum eigenen Körper verbunden. Lust und sinnliches Erleben sind für narzistische Frauen aber verboten und werden mit Fasten und Askese niedergedrückt. Dadurch werden sie aber noch bedrohlicher und weniger kontrollierbar. Diese Frauen, die wir manchmal in unseren Fastenseminaren erleben, versuchen durch Fasten einem perfekten, androgynen Schönheitsideal zu entsprechen. Dabei wird suggeriert, dass jeder Körper mit genügend Disziplin zum gängigen Ideal geformt werden kann (Perfektheits-Anspruch).

Allen Essstörungen gemeinsam ist die ständige Beschäftigung mit Nahrung, die einen großen Teil der Lebensenergie bindet. Die meisten Gedanken, Zeit und Kraft werden für Essen und Nichtessen (Fasten) verwendet. Die Patientinnen haben vor allem starke Schuldgefühle bei Nichteinhalten ihrer Essensregeln, verlieren das Gefühl von Hunger und Satt-Sein und können nicht mehr zwischen körperlichen Hunger und seelischen Bedürfnissen unterscheiden.

Wenn Essstörungen längere Zeit anhalten, besteht Handlungsbedarf. Neben einer psychotherapeutischen Begleitung, kann als Unterstützung in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung notwendig sein (Psychopharmaka).

Dr. med. Heinz Bixa, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapeut KIP, LE, Psychoonkologe, Balintgruppenleiter, Fastenarzt, akademisch geprüfte Fachkraft für tiergestützte Therapie, Gastrosoph.

Literatur:

  • Flaake Karin, King Vera; Weibliche Adoleszenz, Zur Sozialisation junger Frauen, Campus-Verlag 1990
  • Lütz Manfred; Lebenslust, Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult, Verlag Knaur 2002
  • Schweiger Ulrich, Peters Achim, Sipos Valerija; Essstörungen, Thieme-Verlag 2003
  • Wardetzki Bärbel; Weiblicher Narzissmus, Der Hunger nach Anerkennung, Verlag Kösel 2021

Vom Brauchen und Wollen

Jedes erfolgreich durchgeführte Fasten konfrontiert Fastende u. a. mit dieser Frage: Was brauche ich wirklich?!?

Die Erkenntnis, mit wie wenig Lebensmitteln man „auskommt“, ist zumindest für ErstfasterInnen überraschend. Dass der Organismus in seiner ganzen Kompliziertheit weiter funktioniert (und das auch noch gut!) liegt u. a. an den körpereigenen Reserven an Energie und Nährstoffen, über die (auch schlanke) Menschen für so einen relativ kurzen Fastenzeitraum verfügen. Den Bedarf an Nährstoffen kann man messen (in g/mg/µg pro Tag/pro kg Körpergewicht…) und sog. Zufuhrempfehlungen in einschlägigen Fachwerken nachschlagen (Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr D-A-CH, letzte Auflage 2015).

Das ist das, was wir brauchen, der Nährstoffbedarf und darüber herrscht bei den allermeisten KonsumentInnen auch Einvernehmen: die Ernährung soll unsere Bedarfe an Nährstoffen und Energie decken.

Im Alltag häufig jedoch ist eine Diskrepanz zwischen dem beschriebenen Bedarf (Kopfentscheidung) und dem Bedürfnis (sog. „Bauchentscheidung“): das was ich WILL ist also manchmal stark unterschiedlich/abweichend zu dem was ich BRAUCHE.

An dieser Stelle möchte ich kurz eine Frage diskutieren, die oft gestellt wird: ist nicht u. U. das Lebensmittel, das ich grad wirklich will auch das, was ich grad wirklich brauche? Gibt es nicht einen quasi instinkthaften Zusammenhang: mein Körper stellt ein momentanes Defizit an einem bestimmten Nährstoff fest und münzt das um in ein Bedürfnis nach einem ganz bestimmten Lebensmittel, das diesen Nährstoff (verstärkt) anbietet? Serotoninmangel => Serotoninbedarf => Bedürfnis nach Schokolade (enthält Tryptophan, die Vorstufe von Serotonin)? Oder noch einfacher: ich will Schokolade = ich brauch Schokolade, BASTA!!

Aus der Biologie wissen wir, dass Tiere sich mit allem, was sie brauchen befriedigend versorgen können. Dies funktioniert allerdings nur, wenn zwei wichtige Grundvoraussetzungen gegeben sind:

  • Die Instinkte des Tieres sind vollkommen unverfälscht
  • Der Lebensraum des Tieres (Biotop) ist vollkommen unverfälscht

Schon bei Haustieren können wir oft ein, durch jahrtausende lange Domestikation verfälschtes Instinktverhalten feststellen. Und unberührte Biotope sind in unserer Kulturlandschaft eine echte Seltenheit.

Übertragen auf uns Menschen muss man sich daher fragen:

  • Ist unser Instinktverhalten unberührt/unbeeinflusst von…?
  • Ist unsere Lebenswelt mit den Supermärkten mit ihren überbordenden Lebensmittelangeboten ein ursprünglich „menschengemäßes“ Biotop?

Ein Beispiel aus dem Alltag illustriert das Missverständnis zwischen Bedarf und Bedürfnis und zeigt, wie Fasten dabei helfen kann, einen möglichen Ausweg zu finden.

Nach einer gewissen Zeit konzentrierter Arbeit stellt sich manchmal „Hunger“ ein: etwas Essbares wird besorgt, ausgepackt, gegessen, die Verpackung versorgt und dann geht’s wieder. Aber war das wirklich Hunger (=Bedarf)?! Oder nicht vielmehr das Bedürfnis nach: Unterbrechung, nach Abwechslung? Wenn letzteres zutrifft, gibt es natürlich eine Fülle von Alternativen zu Essen: Bewegung, eine kurze Unterhaltung mit KollegInnen…

Auch bei einem gut betreuten Fasten tauchen ab und zu kleine „Hungermomente“ auf. Die Erfahrung zeigt, dass sich dies mit ein, zwei Gläsern/Tassen Wasser/Tee absolut befriedigend auflösen lässt: man kann den „Hunger“ quasi „wegtrinken“. Diese Erkenntnis könnte man aus dem Fasten in die lange Zeit nach dem Fasten mitnehmen. Beim sog. „kleinen Hunger zwischendurch“ erstmal was trinken. Das erhöht die Flüssigkeitszufuhr und befriedigt vielleicht auch das Bedürfnis nach einer kleinen Abwechslung.

M. Taubert-Witz