Roman Wilfinger †

Roman Wilfinger war von 2003-2008 Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitsförderung (ggf) und bis zu seinem Ableben treuer Unterstützer unserer gemeinnützigen Gesellschaft. Gemäß der Philosophie des Vereins hat er sich Zeit seines Lebens mit Gesundheitsförderung auseinander gesetzt und auch selbst einen gesunden Lebensstil gepflegt. Mit dem Ausbau der Wilfinger Hotels für Naturheilkunde in Hartberg und Bad Waltersdorf galt er als einer der Pioniere unter den alternativen Kurhotels. Sein Stammhaus in Bad Waltersdorf fungierte lange Jahre als Austragungsort der ggf-Fastenakademie, die auch Roman absolviert hatte.

Viele ggf-Fastenfreundinnen, WegbegleiterInnen und vor allem der ggf-Vorstand werden Roman in liebevoller Erinnerung behalten. Wir danken ihm für sein nachhaltiges Engagement in der Gesundheitsförderung und seine langjährige Verbundenheit. Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie.

Mag. Dr. Ulrike Borovnyak
(für den aktuellen und ehemaligen ggf-Vorstand)

Spaghetti aglio e olio

Das sollte eigentlich einfach sein: Nudeln mit Olivenöl und Knoblauch, ein „arme Leute Essen“. Kompliziert wird es erst, wenn man versucht, es wirklich gaaaanz richtig zu machen. Wertgebende (Vitamine, Mineralstoffe…) und wertmindernde (Schadstoffe) Substanzen, Regionalität, sachgerechte Zubereitung… all das kann man einschätzen und je nach persönlicher Schwerpunktsetzung gewichten, um eine „richtige“ Entscheidung zu treffen. Interessant ist auch ein Blick auf die Preisgestaltung: so kostet österreichischer Bioknoblauch mehr als italienischer bzw. spanischer, trotz des längeren Transportweges. Aber hier kann/soll der/die KonsumentIn ein Zeichen setzen: ja, wir wollen die heimische Landwirtschaft unterstützen und das ist uns was wert.

Allora – Also:

Spaghetti:
Die Auswahl ist riesig und gibt zu vielerlei Überlegungen Anlass.
Weißmehl oder Vollkorn:

Eine häufig geäußerte Überlegung ist, dass Schadstoffe, die über die Umwelt/“Spritzmittel“ von außen auf die Getreidepflanze treffen, beim Weißmehl in geringerem Maß zu finden seien. Bedauerlicherweise gibt es aber auch Schadstoffe (z. B. aus Düngemitteln), die über die Wurzeln aufgenommen werden und in der ganzen Pflanze gleichmäßig verteilt sind (è vero – das stimmt!). Das Abschälen der Randschichten bedeutet zudem einen GROSSEN Verlust an Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen; also an Substanzen, die in vielfältiger Weise für den reibungslosen Ablauf unseres Stoffwechsels unverzichtbar sind und uns schützen können. Die Kosten-Nutzenrechnung weniger Schadstoffe aber auch weniger Unterstützung für unser Immunsystem spricht also eindeutig für Vollkorn; sogar wenn dieses nicht aus biologischem Anbau stammt. Somit wird auch schnell klar, dass Bio nicht automatisch bedingungslos empfehlenswert ist: denn den Bio-Weißmehlspaghetti fehlen die wertgebenden Inhaltstoffe der Randschichten. (Che casino – Was für ein Durcheinander)

Preise: Spaghetti Bio Weißmehl: € 0,99, Spaghetti Vollkorn (konventioneller Anbau): € 0,99,
Spaghetti Biodinkelvollkorn: € 1,49

Knoblauch:
Zunächst fällt auf, dass Knoblauch aus österreichischer Produktion (egal ob bio oder konventioneller Anbau) im Supermarkt (auch im Biosupermarkt) echt schwer bis gar nicht zu finden ist (ma dai – ach komm!). Knoblauch aus Italien, Spanien oder China ist Standard. Eine „Delikatesse“ für sorgfältige LeserInnen der Produktdeklaration: Knoblauch aus Spanien ist mit dem Hinweis „abgepackt in Italien“ letztendlich in Österreich angekommen. Einzige Ausnahme: Knoblauch von einem prominenten burgenländischen Hersteller, biologisch produziert, aufwändig verpackt und dementsprechend kostspielig.

Preise (250 g): Konventionell: Italienisch: € 1,49, spanisch: € 1,25, Chinesisch: € 2,39
Bioanbau: österr. € 5,32, ital./span. € 3,73

Olivenöl:

Hier möchte ich weniger die Produktqualität (Nativ, Extra vergine…) diskutieren, sondern eine häufig gestellte Frage beantworten. Darf man kaltgepresstes Öl erhitzen? Ja, darf man, sofern das Öl nicht so heiß wird, dass es raucht, man also den sog. Rauchpunkt eines Fettes nicht erreicht bzw. überschreitet. Beim Anschwitzen des Knoblauchs sollte man also umsichtig vorgehen (d’accordo – einverstanden?).

Noch ein abschließender Tipp zur fachgerechten Zubereitung: den feinsten Geschmack erhält man, wenn der Knoblauch NICHT gepresst, sondern geschnitten wird. Das Aroma von goldgelb angeschwitztem Knoblauch ist unvergleichlich delikater als bei gepresstem Knoblauch.

Tutto a posto – Alles klar?
Buon appetito con pasta deliziosa.


Martin Taubert-Witz

Fasten und Gerechtigkeit

In allen Fastentraditionen der Welt spielt neben dem Körperlichen und Seelischen Erneuerungsprozess das Soziale eine Wesentliche Rolle. Corporate Social Responability (CSR) nennt man heute diese Erkenntnis in allen ganzheitlich erfolgreichen Unternehmen.

Früher hieß das: Gute Werke tun. Wer nur auf sich schaut sieht nie das Ganze. Das wissen auch wir bei der ggf. Deshalb haben wir auch in unserem Ehrenkodex die soziale Einbettung der Fastenden thematisiert. Die sozialen Nöte, die oft ungerechte Nebenwirkungen der Globalisierung sind, rufen uns die wir nicht hungern sondern aus gesundheitlichen Gründen fasten, in unser Gewissen hinein. Gerade Flüchtende sind Opfer von Naturkatastrophen, Klimawandel und Kriegen. Zumeist ist die „westliche Welt” Auslöser für viele Kollateralschäden.

Ein Herz für die Notleidenden zu haben und gewisse Ungerechtigkeiten in der Welt zu erkennen, zeichnet Fastende aus. Auf vielfältige Weise können wir handeln. Auch indem wir ein Zeichen setzten. Am Samstag den 19.Juni ist Weltflüchtlingstag. In Wien und in vielen anderen Städten finden Solidaritätsätbekundungen statt. Gehen auch wir hin und zeigen damit, dass wir Platz in unserem Herzen und in Österreich haben, um die Not zu lindern.

Infos unter: www.courage.jetzt

Hans-Peter Premur

Adolf Just und die heilende Erde

Adolf Just begründete vor 125 Jahren am 21. Juni 1896 die Licht-Luft-Therapie im Harz, Deutschland und entdeckte die Heilerde wieder, denn die heilsame Wirkung einer Auflage aus natürlicher Erde war bereits in der Antike bekannt. Doch dieses Wissen geriet im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen der Naturheilkunde, besann man sich wieder auf die heilenden Kräfte der Natur. Die „Heilerde“ ist bis heute unverzichtbarer Bestandteil der modernen Naturheilkunde.

Mit seiner Kur, die wir heute als „Medical Wellness“ bezeichnen würden, traf Just den Nerv der Zeit: Der Jungborn entwickelte sich zur größten Naturheilanstalt in Deutschland. Bis zu 350 Besucher kamen täglich, um das naturnahe Leben zu erfahren, darunter die Schauspielerin Marika Rökk, der Schriftsteller Franz Kafka oder der Anthroposoph Rudolf Steiner.

Das Naturheilmittel Heilerde wiederentdeckt

Adolf Just behandelte seine Patienten mit heilender Erde, zunächst nutzte er sie in Form von Wickeln, Packungen und Bädern zur Behandlung von Wunden. Später führte er auch die innerliche Anwendung der Heilerde ein. Die Kombination aus der Anwendung der natürlichen Luvos-Heilerde mit den vielen Facetten eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils, würde man heute als „Medical Wellness“ bezeichnen.

So suchte er vor mehr als 100 Jahren nach einem geeignetem Lössvorkommen und wurde im Harz fündig: Dieser Löss verfügt über eine optimale Zusammensetzung natürlicher Mineralien und Spurenelemente und besteht aus den häufigsten Elementen der Erdkruste wie Silizium, Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie Spurenelementen wie Kupfer, Mangan, Nickel und Zink. Er eignet sich daher besonders für die innerliche und äußerliche Anwendung. Just entwickelte ein spezielles Verfahren zur Aufbereitung, indem er den Löss trocknete, siebte und vermahlte. Er nannte seinen Löss „Heilerde“ und gründete 1918 die Heilerde-Gesellschaft Luvos.

Fein vermahlen ist Heilerde besonders wirksam

Die Wirkung dieser heilenden Erde wird zusätzlich verbessert, wenn man den Feinheitsgrad durch Vermahlen erhöht. Sie wird mit modernster Technik schonend aufbereitet: Um mögliche Keime abzutöten, trocknet man Heilerde zuerst bei 128 Grad. Anschließend wird der Löss fein vermahlen und in unterschiedliche Feinheitsgrade gesiebt, um die jeweilige therapeutische Wirkung zu erhalten.

Wie wirkt Heilerde?

Durch ihre große innere Oberfläche entwickelt die fein vermahlene Heilerde ein besonderes Bindungsvermögen. Deshalb kann sie andere Stoffe wie ein Schwamm binden (ad- und absorbieren). Aufgrund ihrer Zusammensetzung kann sie überschüssige Säure schnell und effektiv binden.

Heute wird Luvos-Heilerde zur innerlichen Anwendung bei Sodbrennen, funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarm und Reizmagen sowie zur Bindung von Cholesterin und Schadstoffen aus der Nahrung eingesetzt.

Elisabeth Newald

Rätsel – hafte Ernährungspyramide

Die meisten KonsumentInnen wissen, dass es eine Ernährungspyramide gibt. Wie genau diese aussieht ist allerdings häufig zweifel-haft. Verständlich: immerhin hat sich der Aufbau dieser bildhaften Ernährungsempfehlung im Laufe der Zeit mehrfach gewandelt.

So waren z. B. Getreideprodukte die längste Zeit die Basis über den Getränken und unter der Gemüse-/Obstposition (Deutsche Ges. f. Ernährung bis 2005). Seit geraumer Zeit sind diese Positionen auch in der Österreichischen Ernährungspyramide (seit 2010) vertauscht: Basis (über den Getränken) ist jetzt Gemüse und Obst, erst dann kommen Getreide-/stärkehältige Produkte (Kartoffeln). Eine Erklärung für diese frag-würdige Anordnung fehlt auf der Seite der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, überprüft am 7. 5. 2021). Wie soll das in der Praxis umgesetzt werden: statt Brot mit Gurke Gurke mit Brot?!? Eine mögliche Erklärung ist, dass die große Bedeutung von Gemüse/Obst als Lieferanten von Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen hervorgehoben werden soll. Vor allem vor dem Hintergrund eines im Bundesdurchschnitt immer noch unbefriedigenden Verbrauchs an dieser Pflanzengruppe. Zwei weitere Details aus dieser Ebene der Pyramide sollen hinterfragt werden: in der Obstgruppe werden neben Äpfeln Bananen dargestellt. Ein klarer Widerspruch zur Empfehlung, heimische, saisonale Ware zu bevorzugen. Für viele unerklärlich ist auch die Gewichtung: von 5 Portionen täglich sollen 3 über Gemüse und 2 über Obst gedeckt werden. Eine zwar banale, aber realistische Begründung dafür könnte sein, dass in heimischer Landwirtschaft mengenmäßig mehr Gemüse als Obst erwirtschaftet werden kann.

Die Ernährungspyramide wird von vielen VerbraucherInnen wie auch Ernährungsfachkräften (seufz!) als allgemeinverbindliche Verzehrsempfehlung (miss-)verstanden, auch was die 5. Position (Fleisch, Fisch, Eier) betrifft. AGES: „Essen Sie pro Woche mindestens 1 – 2 Portionen Fisch und bevorzugen Sie dabei fettreichen Seefisch (Makrele, Lachs, Thunfisch)…“. Eine konsequente österreichweite Umsetzung dieser Empfehlung ist angesichts der bereits bestehenden Überfischung der Meere weder möglich noch sinnvoll. „Essen Sie pro Woche maximal 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstprodukte.“: das bedeutet für viele KonsumentInnen eine relativ drastische Einschränkung, die allerdings aus ökologischer wie auch gesundheitlicher Sicht absolut sinnvoll und gut begründbar ist. Trotzdem wird das von vielen nicht nur als „Erlaubnis“, ja Empfehlung zum Fleischverzehr gewertet und unterstützt das Vorurteil, eine Ernährung ohne tierische Produkte sei nicht möglich, bzw. bedenklich. Aber natürlich gibt es auch eine Ernährungspyramide für VegetarierInnen/VeganerInnen, die Giessener vegetarische/vegane Lebensmittelpyramide. Auch hier rangiert Gemüse/Obst unter den Getreideprodukten. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar: auch vegetarische und vegane Ernährungsformen sollten elementare ökologische Gegebenheiten nicht ignorieren. So lassen sich (weltweit) in der Landwirtschaft stärkehaltige Grundnahrungsmittel (Getreide, Kartoffeln) in größeren Mengen erwirtschaften und leichter lagern als Gemüse/Obst. Die „Sattmacher“ bilden also fast überall in der Welt die Basis der Ernährung und dies kann und sollte nicht geändert werden.

Falls jemand meine Betrachtungen für übertrieben hält: bei Empfehlungen, die von gut ausgebildeten österreichischen Fachleuten entworfen und in Kampagnen mit österreichischem Steuergeld promotet werden würde ich mir mehr Sorgfalt wünschen.

Relativierend muss man aber feststellen, dass der Effekt von Werbe-/Informationskampagnen über die Ernährungspyramide auf die Gesundheit im Bundesdurchschnitt verschwindend gering ist. Zusammengefasst: schadet wenig, nutzt wenig, aber das viele Geld das das gekostet hat/kostet ist halt auch weg.

Martin Taubert-Witz

Hilfe! Ich bin zu dick!

In den letzten Jahrzehnten spielten jene medial vermittelten Körperbilder eine zunehmende Rolle, die von einem verzerrten Schlankheitsideal geprägt sind. Die Hungerjahre nach dem zweiten Weltkrieg waren kaum überstanden und der Garant für ausreichende Nahrungszufuhr an der Leibesfülle abzulesen, als um 1970 ein neues Frauenrollenbild propagiert wurde. „Twiggy“ erschien auf der Bildfläche. Eine androgyne Frauengestalt mit schmalen Hüften und kleinem Busen vermittelte ein neues asketisches Frauenbild, wo der animalische Anteil (Schweiß, Behaarung, etc.) abgespalten wurde.

Sandro Boticelli (1455-1510) ein Maler aus Florenz malte im Geiste der Frührenaissance seine berühmte Geburt der Venus. In einer Muschel stehend lässt sich Venus von göttlichem Atem ans Ufer wehen, um dort in Empfang genommen zu werden. Würde sich diese Venus – ein Schönheitsideal weit über ihre Epoche hinaus – heute in einer Model-Agentur bewerben, würde man ihr anraten, mindestens zehn Kilo abzunehmen, um eine reelle Chance beim nächsten Casting zu haben. Als Hausarzt würde ich ihr wahrscheinlich empfehlen ihren BMI von 25 nicht zu überschreiten, da es mit fortschreitendem Alter immer schwieriger wäre das Gewicht zu halten.

Ein schlanker sportlicher Körper war und ist Ausdruck von Gesundheit, Vitalität und Leistungsfähigkeit. Die Fehlentwicklung dieses Schlankheitsideals führte allerdings dazu, dass der Körper zur Ware und zum Kapital einer individualisierten Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft wurde. Zudem führt die permanente Konfrontation mit medialen Schlankheitsbildern zu einer Verunsicherung über das eigene Aussehen vor allem von Frauen. In meinen jahrelangen Psychotherapien bin ich immer wieder überrascht über die entwertenden und dysmorphen Bilder, die viele Frauen mit ihrem Körper verbinden. Die, durch die gesellschaftliche Rolle der Frau determinierte Entfremdung von ihrem Körper, wie auch vom Essen als Möglichkeit individueller Bedürfnisbefriedigung erklärt auch, warum vor allem Frauen in den westlichen Industriegesellschaften von Essstörungen betroffen sind.

Zurzeit gibt es einen neuen Schönheitskult: Der „Thigh Gap“ (zu Deutsch: Die Oberschenkellücke) ist aus den USA (wie so vieles) in Österreich gelandet. Es geht hier um einen deutlich sichtbaren Abstand der Oberschenkel von den Knien bis zum Schritt. Je größer dieser Abstand – umso näher ist man dem neuen Schönheitsideal. Ein weiteres Ideal ist die sogenannte „Bikini-Brücke“. Hier soll der Bund des Bikini-Höschens auf keinem Fall den Bauch berühren. Die damit erforderlichen Konfektionsgrößen 32-34 alarmieren Eltern, Ärzte und Psychotherapeuten. Der Schönheitsmarkt ist überproportional angewachsen. Tausende Schönheitsoperationen und Botox-Infiltrationen fetten die Honorare geschäftstüchtiger Ärzte und Ärztinnen kräftig auf.

Aber wie kommt es überhaupt zu dieser Störung des eigenen Körperbildes?

Ich denke da an eine Klientin, die ich vor vielen Jahren wegen einer Essstörung in Therapie hatte. Sie war attraktiv, hatte eine gute Figur, aber lehnte sich von Grund auf ab, fand sich dick und hässlich und vor allem nicht liebenswert. Wenn es ihr gut ging, erlebte ich sie selbstbewusst, aber schon in der darauffolgenden Stunde gestand sie mir, dass sie sich unbedeutend und minderwertig fühle. Sie mache sich ständig Gedanken, was andere von ihr denken könnten und konnte sich nicht vorstellen, dass sie irgendjemand gefallen könnte. Ihr größter Wunsch war, allen zu gefallen.

Hier wird eindrücklich der Zwiespalt zwischen ihrer äußeren Maske (Fassade) und ihrer inneren Unsicherheit und Abwertung sichtbar. Diese Frau hatte Probleme, ihren Körper und ihr Gewicht anzunehmen. Ihre Hungergefühle kann sie nicht mit Essen stillen, weil es sich nicht um einen körperlichen, sondern um einen seelischen Hunger handelt. Andererseits versuchen sie, ihre Selbstwertprobleme durch einen schlanken Körper wettzumachen. Sie sind überzeugt nur liebenswert zu sein wenn sie schlanker wären. Sie streben danach, gut auszusehen, körperlich topfit, gut drauf zu sein, mit anderen Worten, ewige Jugend, Schönheit und Leistungsfähigkeit zu besitzen.

Ich möchte hier kurz beschreiben, wie die psychische Entwicklung dieser Frau ausgesehen hat. Eine Familie mit fünf Kindern, davon drei Töchter. Meine Klientin ist die Älteste unter den Geschwistern. Der Vater hat ein Alkoholproblem und die Mutter ist in dieser Situation heillos überfordert. Sie überträgt nun in ihrer Not einen Teil der Verantwortung für die Kinder auf die älteste Tochter. Sie wird zur Ersatzmutter für ihre Geschwister. Einerseits wird sie zur Nummer eins für ihre Mutter, andererseits muss sie schon in frühen Jahren Funktionen erfüllen, um ihre Mutter aus ihrer existentiellen Notlage zu befreien. Das wichtigste ist, es muss der Mutter gut gehen. Der phantasierte Verlust der Mutter ruft Verlassenheits- und Todesängste hervor. Die Mutter liebt das Kind nicht so, wie es ist, sondern nur ein bestimmtes Bild von ihm. Das führt dazu, dass das Kind in seiner Entwicklung seine eigene Lebendigkeit und Autonomie opfert. Die Tochter versucht also durch besondere Anpassung an die Erwartungen der Mutter, ihr alles Recht zu machen, ihr zu entsprechen und dadurch geliebt zu werden.

Man spricht hier von einer narzistischen Mutter, die ihre Tochter ausbeutet. Damit verbunden ist die zunehmende Unfähigkeit der Tochter eigene Gefühle zu leben und auf Dauer sie gar nicht mehr wahrzunehmen. Sie wird die eigenen Empfindungen anzweifeln und sie allmählich bei sich selbst verleugnen. Auch körperlich-sinnliche Gefühle, sexuelle Erregung müssen mit Beschämung und Schuldgefühlen abgewehrt werden. Der Schwerpunkt ihrer Körpererziehung liegt weniger auf dem lustvollen Erleben und Kennenlernen des eigenen Körpers, als vielmehr auf Training und Anpassung an bestimmte Normen.

Eine andere Patientin hat mir ein Bild aus ihrer Kindheit gezeigt, wo sie die Kinder alle mit O-förmigen Mund gezeichnet hatte. Auf die Frage der Mutter, berichtet sie, die Kinder würden schreien! Die Antwort der Mutter aber war: „Ach, die lachen nur“. Sie hatte das Erleben ihrer Tochter einfach umgedeutet und das Mädchen sah nun keine Möglichkeit mehr das schwierige Thema eines sexuellen Missbrauchs anzusprechen.

Sich virtuell in den sozialen Medien zu zeigen bedeutet für viele Frauen mit einem schwachen Selbstwertgefühl eine Art Schutz vor den direkten Reaktionen der anderen. Im extremen Fall ersetzen virtuelle Kommunikationen sogar persönliche Begegnungen. Letztlich ist auch hier die stärkste Triebfeder, die Angst vor dem Verlassenwerden.

Meine Klientin ist zwar nicht bindungslos, besitzt aber eine eingeschränkte Bindungsfähigkeit. Aufgrund ihrer frühen Erfahrungen erlebt sie die Nähe in Beziehungen ambivalent. Die Bindung, die sie erfahren hatte, war ja geprägt durch narzistische Ausbeutung und die Unmöglichkeit sich von der Mutter loszulösen. Eine eigenständige Entwicklung wurde somit verhindert (Obwohl die Tochter längst erwachsen ist, wurde sie nach wie vor von der Mutter mit „Kindchen“ statt ihrem Vornamen begrüßt). Spätere Bindungen zu potentiellen Partnern laufen dann nach dem gleichen Beziehungsmuster ab. Zuerst der Wunsch nach vollkommener Nähe (Verschmelzung) und Erfüllung aller Wünsche durch den Partner, bis zur Enttäuschung und Abweisung des Partners, als Schutz vor dem drohenden Trennungsschmerz (Symbiose-Autonomie-Konflikt).

Eine positive Einstellung zu sich selbst ist aber nur mit einer positiven Einstellung zum eigenen Körper verbunden. Lust und sinnliches Erleben sind für narzistische Frauen aber verboten und werden mit Fasten und Askese niedergedrückt. Dadurch werden sie aber noch bedrohlicher und weniger kontrollierbar. Diese Frauen, die wir manchmal in unseren Fastenseminaren erleben, versuchen durch Fasten einem perfekten, androgynen Schönheitsideal zu entsprechen. Dabei wird suggeriert, dass jeder Körper mit genügend Disziplin zum gängigen Ideal geformt werden kann (Perfektheits-Anspruch).

Allen Essstörungen gemeinsam ist die ständige Beschäftigung mit Nahrung, die einen großen Teil der Lebensenergie bindet. Die meisten Gedanken, Zeit und Kraft werden für Essen und Nichtessen (Fasten) verwendet. Die Patientinnen haben vor allem starke Schuldgefühle bei Nichteinhalten ihrer Essensregeln, verlieren das Gefühl von Hunger und Satt-Sein und können nicht mehr zwischen körperlichen Hunger und seelischen Bedürfnissen unterscheiden.

Wenn Essstörungen längere Zeit anhalten, besteht Handlungsbedarf. Neben einer psychotherapeutischen Begleitung, kann als Unterstützung in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung notwendig sein (Psychopharmaka).

Dr. med. Heinz Bixa, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapeut KIP, LE, Psychoonkologe, Balintgruppenleiter, Fastenarzt, akademisch geprüfte Fachkraft für tiergestützte Therapie, Gastrosoph.

Literatur:

  • Flaake Karin, King Vera; Weibliche Adoleszenz, Zur Sozialisation junger Frauen, Campus-Verlag 1990
  • Lütz Manfred; Lebenslust, Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult, Verlag Knaur 2002
  • Schweiger Ulrich, Peters Achim, Sipos Valerija; Essstörungen, Thieme-Verlag 2003
  • Wardetzki Bärbel; Weiblicher Narzissmus, Der Hunger nach Anerkennung, Verlag Kösel 2021

Vom Brauchen und Wollen

Jedes erfolgreich durchgeführte Fasten konfrontiert Fastende u. a. mit dieser Frage: Was brauche ich wirklich?!?

Die Erkenntnis, mit wie wenig Lebensmitteln man „auskommt“, ist zumindest für ErstfasterInnen überraschend. Dass der Organismus in seiner ganzen Kompliziertheit weiter funktioniert (und das auch noch gut!) liegt u. a. an den körpereigenen Reserven an Energie und Nährstoffen, über die (auch schlanke) Menschen für so einen relativ kurzen Fastenzeitraum verfügen. Den Bedarf an Nährstoffen kann man messen (in g/mg/µg pro Tag/pro kg Körpergewicht…) und sog. Zufuhrempfehlungen in einschlägigen Fachwerken nachschlagen (Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr D-A-CH, letzte Auflage 2015).

Das ist das, was wir brauchen, der Nährstoffbedarf und darüber herrscht bei den allermeisten KonsumentInnen auch Einvernehmen: die Ernährung soll unsere Bedarfe an Nährstoffen und Energie decken.

Im Alltag häufig jedoch ist eine Diskrepanz zwischen dem beschriebenen Bedarf (Kopfentscheidung) und dem Bedürfnis (sog. „Bauchentscheidung“): das was ich WILL ist also manchmal stark unterschiedlich/abweichend zu dem was ich BRAUCHE.

An dieser Stelle möchte ich kurz eine Frage diskutieren, die oft gestellt wird: ist nicht u. U. das Lebensmittel, das ich grad wirklich will auch das, was ich grad wirklich brauche? Gibt es nicht einen quasi instinkthaften Zusammenhang: mein Körper stellt ein momentanes Defizit an einem bestimmten Nährstoff fest und münzt das um in ein Bedürfnis nach einem ganz bestimmten Lebensmittel, das diesen Nährstoff (verstärkt) anbietet? Serotoninmangel => Serotoninbedarf => Bedürfnis nach Schokolade (enthält Tryptophan, die Vorstufe von Serotonin)? Oder noch einfacher: ich will Schokolade = ich brauch Schokolade, BASTA!!

Aus der Biologie wissen wir, dass Tiere sich mit allem, was sie brauchen befriedigend versorgen können. Dies funktioniert allerdings nur, wenn zwei wichtige Grundvoraussetzungen gegeben sind:

  • Die Instinkte des Tieres sind vollkommen unverfälscht
  • Der Lebensraum des Tieres (Biotop) ist vollkommen unverfälscht

Schon bei Haustieren können wir oft ein, durch jahrtausende lange Domestikation verfälschtes Instinktverhalten feststellen. Und unberührte Biotope sind in unserer Kulturlandschaft eine echte Seltenheit.

Übertragen auf uns Menschen muss man sich daher fragen:

  • Ist unser Instinktverhalten unberührt/unbeeinflusst von…?
  • Ist unsere Lebenswelt mit den Supermärkten mit ihren überbordenden Lebensmittelangeboten ein ursprünglich „menschengemäßes“ Biotop?

Ein Beispiel aus dem Alltag illustriert das Missverständnis zwischen Bedarf und Bedürfnis und zeigt, wie Fasten dabei helfen kann, einen möglichen Ausweg zu finden.

Nach einer gewissen Zeit konzentrierter Arbeit stellt sich manchmal „Hunger“ ein: etwas Essbares wird besorgt, ausgepackt, gegessen, die Verpackung versorgt und dann geht’s wieder. Aber war das wirklich Hunger (=Bedarf)?! Oder nicht vielmehr das Bedürfnis nach: Unterbrechung, nach Abwechslung? Wenn letzteres zutrifft, gibt es natürlich eine Fülle von Alternativen zu Essen: Bewegung, eine kurze Unterhaltung mit KollegInnen…

Auch bei einem gut betreuten Fasten tauchen ab und zu kleine „Hungermomente“ auf. Die Erfahrung zeigt, dass sich dies mit ein, zwei Gläsern/Tassen Wasser/Tee absolut befriedigend auflösen lässt: man kann den „Hunger“ quasi „wegtrinken“. Diese Erkenntnis könnte man aus dem Fasten in die lange Zeit nach dem Fasten mitnehmen. Beim sog. „kleinen Hunger zwischendurch“ erstmal was trinken. Das erhöht die Flüssigkeitszufuhr und befriedigt vielleicht auch das Bedürfnis nach einer kleinen Abwechslung.

M. Taubert-Witz

Die Beziehung Mensch – Tier

Als vor vielen Jahren unsere erste Katze verstarb, saßen wir im Familien-Kreis und heulten. Die Kinder hatten sie einfach „Mieze“ getauft und sie war für uns ein wichtiges Familienmitglied geworden.

Unser Verhältnis zu den Tieren ist tatsächlich äußerst widersprüchlich. Unsere Katzen wurden gestreichelt, herumgetragen und bekamen nur das beste (=teuerste) Futter. Mit unseren drei Lamas sind wir gemeinsam durchs Weinviertel gewandert und die Pausen waren nicht zufällig bei saftig grünen Wiesen.

Andere Tiere sind für uns allerdings eine Handelsware, werden getötet und ihr Fleisch kann nicht billig genug sein. Nach aktuell geltender EU-Richtlinie sind in der Zucht von Masthähnchen 33 Kilogramm Huhn pro Quadratmeter Bodenfläche erlaubt. Das sind etwa 22 Tiere. Jedes Masthähnchen hat also kurz vor der Schlachtung 450 Quadratzentimeter Fläche zur Verfügung, weniger als ein DIN A4-Blatt. Seine Lebensdauer beträgt in der Massentierhaltung zwischen 32 und 38 Tagen. Damit es in dieser Geschwindigkeit heranwachsen kann, werden dem Futter oft Antibiotika als „Leistungsverstärker“ zugesetzt, obwohl es in der EU seit 2006 verboten ist. Sogar bei der geschützten Bezeichnung „Bio“ ist eine einmalige Antibiotika-Gabe erlaubt! Die Verantwortung für eine gute Behandlung der Tiere tragen in erster Linie also nicht die Landwirte, sondern die Konsumenten, denen das Fleisch nicht billig genug sein kann!

Fünf Säulen artgerechter Tierhaltung:

  1. Freier Zugang zu frischem Trinkwasser und Nahrung
  2. Anspruch auf ein angemessenes Lebensumfeld
  3. Freisein von Schmerzen, Angst und Leiden
  4. Freies Ausleben normaler Verhaltensweisen
  5. Frei sein von Krankheiten

Da Tiere gemäß der platonischen Tradition über keine unsterbliche Geistseele verfügen, erklärte unter anderem René Descartes (1596-1650) sie im Zeitalter der Mechanik zu seelen- und bewusstseinslosen Reiz-Reaktionsmaschinen. Die Tierautomaten-Theorie eignete sich später hervorragend zur moralischen Rechtfertigung von Experimenten an lebenden Tieren. Aus dieser, auf die prinzipielle Differenz von Menschen und Tieren bedachten Auffassung haben Gelehrte seit der Antike stets auch ethische Konsequenzen gezogen, nämlich die, dass Tiere in der Ethik keine Rolle spielen. Sogar der Kirchenlehrer Augustinus (354-430) meinte, dass Tiere keine Geistseele hätten und mit dem Menschen durch keine Rechtsgemeinschaft verbunden wären. Die meisten Philosophen und Theologen haben daraus den Schluss gezogen, dass Menschen mit Tieren alles tun dürften, ohne ihr Handeln moralisch zu rechtfertigen. In der heutigen Tierethik hat sich diese anthropozentrische Sichtweise grundlegend verändert. Der Mensch, als ein mit Vernunft und Gewissen begabtes Lebewesen muss nun, als moralischer Akteur, Verantwortung – auch für Tiere – übernehmen.

Heute wissen wir, dass das typisch menschliche Interesse an Natur und Tieren ein Wesens- und Artmerkmal des Menschen darstellt. Menschen sind von ihrem Wesen her „biophil“ (Edward Wilson). Die Grundlage für unsere zwischenartlichen sozialen Beziehungen bilden aber sicherlich die Gemeinsamkeiten im Verhalten und seiner Steuerung zwischen Menschen und den anderen Tieren. Die Grundprinzipien des Ausdrucks der Emotionen gelten über die Artgrenzen hinweg. Dies bildet den Kern der Empathie-Fähigkeit und der sozialen Kompetenz beim Menschen und bei anderen sozialen Tieren. Spiegelneurone bilden die Basissysteme für die wechselseitige Empathie-Fähigkeit von Menschen mit ihren tierischen Gefährten. So erfüllen sie seit jeher das Bedürfnis des Menschen nach einem einfühlsamen Partner bei vergleichsweise geringem sozialem Aufwand. Unabhängig von Aussehen, Einstellungen, Glauben, Alter oder einer etwaigen Behinderung des menschlichen Partners reagieren sie mit Zuwendung.

Ich selbst habe ein halbes Jahr lang mit geistig und körperlich behinderten Jugendlichen mittels tiergestützter Therapie noch Entwicklungserfolge erlebt, wo deren Eltern gemeint hatten, sie hätten sowieso schon alle Therapiemöglichkeiten ausprobiert.

Gleichzeitig wird die Gesellschaft zunehmend sensibel dafür, wenn Tierzüchtung und Tierhaltung naturwidrige Ausmaße annehmen. Durch gesetzliche Bestimmungen werden Tierhaltungen und Tiertransporte geregelt, ja, seit 2005 gibt es endlich ein einheitliches, österreichweites Tierschutzgesetz. Das Ziel dieses Gesetzes (§1) ist der Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere aus der besonderen Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf.

§ 38 TSchG (Tierschutzgesetz) Strafbestimmungen: Wer einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, oder es in schwere Angst versetzt, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist von der Behörde mit einer Geldstrafe bis zu 7500 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 15000 Euro zu bestrafen.

Das Christentum ist an der menschlichen Brutalität gegenüber Tieren zweifellos mitschuldig. Im Alten Testament, Buch Genesis (Gen 1,28) steht: „Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet die Erde und macht sie euch untertan! Herrschet über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alles Getier, das sich auf Erden regt!“ Diese Bibelstelle wurde als Lizenz zur Unterdrückung und Ausbeutung der Tiere missverstanden. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) erklärte, dass Tiere zum Gebrauch durch den Menschen geschaffen seien und der Mensch sie nach eigenem Gutdünken verwenden könne.

Andererseits gab es in der Kirchengeschichte auch einen Franz von Assisi und Theologen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzten. Die zeitgenössische wissenschaftliche Tierethik ging Anfang der 1970er Jahre von der berühmten englischen Universitätsstadt Oxford aus.

Paragraph 2417 des Katechismus der Katholischen Kirche lautet: „Gott hat die Tiere der treuhänderischen Verwaltung des Menschen unterstellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen.“ Und die Internationale Theologische Kommission sagt (Gemeinschaft und Dienstleistung Nr. 80): „Die menschliche Hoheit über die Tierwelt ist wesentlich eine Dienstleistung, für die der Mensch Rechenschaft ablegen muss vor Gott, der der Herr der Schöpfung im wahrsten Sinne ist.“

Papst Franziskus schreibt am 18. Juni 2015 in seiner Enzyklika „Laudatio Si“ unter
Nr. 69: „Denn jedes Lebewesen hat einen Eigenwert und preist und verherrlicht Gott durch sein Dasein.“
Nr. 77: „Jedes Geschöpf ist also Gegenstand der Zärtlichkeit des Vaters, der ihm seinen Platz in der Welt zuweist. Sogar das vergängliche Leben des unbedeutendsten Wesens ist Objekt seiner Liebe, und in diesen wenigen Sekunden seiner Existenz umgibt er es mit seinem Wohlwollen.“
Nr. 92: „Das Herz ist nur eines, und die gleiche Erbärmlichkeit, die dazu führt, ein Tier zu misshandeln, zeigt sich unverzüglich auch in der Beziehung zu anderen Menschen.“

Im christlichen Verständnis sind Mensch und Tier Geschöpfe Gottes. Deshalb ist die Schöpfung dem Menschen auch nicht zur Ausbeutung, sondern zur Pflege anvertraut. Das hat weitreichende Konsequenzen für den Umgang des Menschen mit dem Tier, das als Mitgeschöpf noch vor jeder Nutzung einen Eigenwert hat. Der Mensch muss den Tieren ein artgerechtes Leben zugestehen, ohne sie zu vermenschlichen. Gesellschaftspolitisch bedeutet der Schutz des Tieres auch den Schutz des Menschen. Es geht darum den Willen der Tiere zu achten, ihre Individualität zu respektieren, ohne die eigenen Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren.

Von Dr. Med. Heinz Bixa (Fastenarzt)

Mitglied des ggf Vorstands; Gemeindearzt, Schularzt, Feuerwehrarzt, Lehrpraxisleiter, Lehrbeauftragter der NÖ-Ärztekammer für imaginative Psychotherapie

Literatur

  • Die Bibel: Jerusalemer Bibel, Verlag Herder, Freiburg Basel Wien, 1968
  • Gebhard Ulrich: Kind und Natur, die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung, 4. Auflage, Springer-Verlag
  • Katechismus der Katholischen Kirche, Oldenbourg Benno Paulusverlag Veritas 1993
  • Kotrschal Kurt: Hund & Mensch, Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft, Brandstätter Verlag
  • Rotter Hans, Virt Günther: Neues Lexikon der christlichen Moral, Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien 1990