Ein Weihnachtsgruß von Ulrike Borovnyak

ttestttestttest

GENUSSVOLL
Ulrike Borovnyak

„Sich mit wenigem begnügen ist schwer, sich mit vielem begnügen noch schwerer.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Spricht man aktuell das Thema Genuss an, wird uns rasch bewusst, dass sich dieser Begriff in einem markanten Wandel befindet.

Die vielen Facetten des neuen Genusses

War das allgemeine Genussstreben vor nicht allzu langer Zeit noch geprägt vom “Höher, Weiter, Schneller”, so ist Genuss nun facettenreicher geworden – und womöglich ruhiger. Und hier setzt Fasten an, denn es bringt all das zum Vorschein, was uns neben dem Essen auch noch Genuss bietet. Und da lässt sich eine wahre Fülle entdecken: Natur, Bewegung, Entspannung, Künstlerische Beschäftigung, soziale Kontakte und gute Gespräche u.v.m.! Und auch die Jahreszeiten tragen zu unserer Genussvielfalt bei, denn sie ermöglichen uns, Genuss-Schauplätze im Innen und Außen zu finden. Ebenso deckt jede Jahreszeit unseren Fastentisch saisonal und somit bunt. Sogar der Winter kann überraschend abwechslungsreich sein, wenn wir es uns erlauben und fantasievoll agieren.

Adventfasten – Zeit des bewussten Genusses

Gerade die Adventzeit kann hier genussvolle Inspirationen bieten. Denken Sie an Advent wie aus Kindertagen… Was haben Sie sich damals gewünscht? Wie ist es jetzt um Ihre Sehnsucht bestellt? Im Schnee toben, dann aufwärmen am Feuer. Geschichten, die einen alles ringsum vergessen lassen. Heisser Tee, gute Gespräche, weit weg vom Alltag sein. Einen Gang zurückschalten und die eigene Welt mit Abstand betrachten. Und genau das bietet eine Fastenwoche unter kompetenter und einfühlsamer Begleitung und in spirituellem Ambiente. Sogar mitten in der Großstadt wird Fastentee immer öfter dem Punsch oder Glühwein vorgezogen. Der Advent lässt sich sprichwörtlich rauschend am Punschstand feiern. Als Moment des Rückzugs vor Kälte und Dunkelheit in die „warme Stube“ lässt er sich jedoch auch besonders gut nützen als Zeitpunkt des Innehaltens und der Schau nach Innen.

Reduktion als neuer Genuss

Bewusst nein sagen zu können, einmal und immer wieder – das lernen wir in einer Fastenwoche. Der Verzicht kehrt sich um in den Gewinn einer Fülle von Dingen, die es neu zu erleben und zu erspüren gilt. Ein ruhiger Waldspaziergang ohne Podcast oder Youtube schärft unsere Sinne gerade dann, wenn alles grau in grau scheint.

Die Zeit vor dem Weihnachtsfest und dem Jahreswechsel ganz bewusst NEU gestalten – durch Innehalten im Advent. Nicht, weil uns äußere Umstände dazu zwingen, inne zu halten, sondern im Gegenteil: Wir erleben den Genuss der Reduktion! Den berühmten „roten Faden“ im eigenen Leben wiederfinden, den Blick auf das Wesentliche schärfen und in der Folge mit allen Sinnen davon profitieren. Denn nach einer Fastenwoche lässt sich Wichtiges ganz leicht von Unwichtigem unterscheiden. Das hat auch der große Otto Buchinger in einem seiner Gedichte geschrieben, das als Endpunkt eines Jahres, einer Entwicklung oder des eigenen Lebensabends verstanden werden kann:

„Ich steh im Hause hier,

Die Mauern, Raum und Zeit.

Wann bricht die starre Tür?

Wann fällt das ird´sche Kleid?

Herr, dieser flücht´ge Traum

Sei Dir allein geweiht,

Dies Spiel von Zeit und Raum

Inmitten Ewigkeit!“

(Otto Buchinger)