Advent & Weihnachten, eine Chance

Beitrag von Unipfarrer Hans-Peter Premur

In der Krise liegt auch eine Chance. Diese betrifft auch den Advent. Früher einmal waren diese vier Wochen vor dem Weihnachtsfest eine Zeit der Besinnung, des Fastens, des Gebetes und der Meditation. Von Kaufkraftintensität und hell beleuchteter Besinnungslosigkeit war noch nicht die Rede, auch nicht von den unzähligen „Weihnachtsfeiern“ vor dem eigentlichen Fest. Man bereitete sich vor. Man wusste, was Advent heißt. Jeder Mensch ist adventistisch (sagt auch Martin Heidegger). Immer wieder kommt etwas zu einem Ende und es beginnt etwas Neues. Das Jahr, das Leben, die Deszendenz der Sonne, ein Krieg, eine Ära, eine Epoche, eine Zivilisation…

Advent ist auch Apokalypse. Das hätte auch der kürzlich verstorbene Universitäts-Denker Reinhard Kacianka so gesehen: Das Ende ist gut. Es erscheint unter der Wunde eine neue Haut, es bricht eine neue Welt an, in der die Gottmenschlichkeit herrscht.

Höchste Humanität und höchste Spiritualität treffen sich im Menschgewordenen Christus Jesus. Advent ist deshalb heute in einer Chance, neu entdeckt zu werden. Das, was auf uns zukommt, braucht uns keine Angst zu machen. Denn wo Gefahr droht, ist der Rettende auch! Diese poetische Zusage wird im Finale des Advents sogar kosmisch unterlegt. Die Welt fällt nicht ins Dunkel, die Tage werden nicht mehr noch kürzer, die Nacht wird nicht zur Herrscherin, sondern mitten in ihr, am Höhepunkt der kosmischen Dunkelheitsanhäufung, wird das Licht geboren.

Heilige Nacht! Fröhliche Zeit, es geht wieder aufwärts. Der Blick der Menschen ist auf ein Baby, ein Christkindelein, gerichtet. Der Advent geht vorüber und angekommen ist eine lichtvolle Einladung neu, ganz neu anzufangen. Deovolente und inshallah möge uns diese Erfahrung heuer geschenkt werden.