Wurzeln und Flügel: Eine kl.u.ge Oma im Interview

Ulrike Maier, Vollzeitoma, über besondere Reife und die Bedeutung der Heilen Welt.

Interview von Marlene Zeugin

 

Liebe Frau Maier, Sie sind Vollzeitoma und haben nach einem Babysitterkurs auch den Schritt gemacht, die klein und gesund!® Akademie zu absolvieren. Was war der Anstoß dafür?

Nach jahrelanger Arbeit in einem Zahlenberuf war es an der Zeit einen neuen Weg einzuschlagen. Die Schwangerschaft meiner Tochter kam da genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich war schon immer sehr gesundheitsbewusst und führte auch einen sehr gesunden Lebensstil, diesen wollte ich nun auch in meinem Beruf ausüben. Durch die klein und gesund!® Akademie habe ich gelernt, wie man Kindern einen gesundheitsförderlichen Lebensstil vermittelt und ihnen gesunde Ernährung schmackhaft macht.

 

Wir alle wissen, das ist nicht immer leicht. Was bereitet Ihnen dennoch die größte Freude an der Zeit mit Ihren Enkelkindern?

Mit den Enkelkindern Zeit zu verbringen ist noch einmal ein ganz anderes Gefühl als mit den eigenen Kindern. Man hat mehr Zeit und muss nicht mit dem Kopf halb bei der Arbeit sein. Somit kann man sich intensiver mit ihnen beschäftigen und natürlich spielt auch die Lebenserfahrung eine Rolle, man ist reifer. Bei Kindern kann man am besten ansetzen und die Grundlage schaffen für ein gesundes Erwachsenwerden. Kinder sind so flexibel und anpassungsfähig, sehr kreativ und feinfühlig.

 

Warum setzen Sie sich für die Gesundheitsförderung von Kindern ein?

Mich hat es schockiert, wie viele übergewichtige Kinder man auf der Straße sieht und da wurde mir bewusst, dass man etwas ändern muss. Die Kinder bekommen von ihren Eltern als Jause oft Kekse, Schokolade und Soft Drinks mit, man sieht täglich auf der Straße, dass Handlungsbedarf besteht. Ich möchte Familien helfen, welche in Not sind und Hilfe benötigen, ihre Kinder auf einen richtigen und gesunden Weg zu bringen. Dabei ist es immer wichtig eine Balance zu finden. Bei meinen Enkelkindern heißt diese „Sweet of the day“ – haben sie das Bedürfnis nach etwas Süßem so gibt es eine Kleinigkeit und dann ist das Thema auch vom Tisch.

 

Wie sehen Sie die heutige, junge Generation? Was hat sich verändert in den letzten 40 Jahren?

Die Wirtschaft hat sich sehr verändert, die Leute arbeiten sehr viel und wenn die Kinder schlafen gehen, setzen sie sich auch noch an den Laptop und beantworten E-Mails. Das machen natürlich die neuen Medien aus, welche es in meiner Kindheit noch nicht gegeben hat. Bei uns gab es auch noch keine kindergerechten Filme oder Serien. Die Kinder heute wachsen mit den neuen Medien auf, sie lernen dadurch viele andere aber auch wichtige Sachen.

Auch die Umgebungsverhältnisse haben sich verändert, es ist heute nicht mehr möglich die Kinder in der Stadt alleine auf die Straße zu lassen. Und natürlich das Bildungsangebot ist heute anders, es bieten sich viel mehr Möglichkeiten und Chancen für die Kinder.

 

Hat sich auch der Erziehungsstil verändert?

Meine Tochter hat sehr viel von meinem Erziehungsstil übernommen und weitergegeben. Ich würde aber sagen, dass ich autoritärer, strenger und konsequenter bin als sie. Kinder brauchen aber genaue Vorgaben/Regeln, weil diese für sie eine Stütze sind. Wenn sich unsere Ansichten bei der Kindererziehung mal nicht decken, dann stelle ich die Autorität der Eltern aber nicht in Frage. Ich mische mich vor den Kindern nicht ein und bekräftige oder entschärfe aber auch nicht.

 

Man hört, dass für Sie die Großeltern einen wichtigen Platz in der Familie haben. Kennen Sie das Sprichwort von J. W. von Goethe: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“ – Sind die Großeltern Wurzel gebend?

Die modernen Eltern sind sehr bemüht, den Kindern gerecht zu werden und beschäftigen sich oft intensiver mit ihnen, als wir es früher getan haben, egal ob das geistig oder körperlich ist. Früher hat man das Kind eher zur Seite gegeben und es mit sich selbst beschäftigen lassen, was auch wichtig ist, da das Kind im Spiel sehr viel lernt. Jedoch stehen die Eltern wie vorher schon erwähnt häufig unter Stress und sind daher oft nur an den Wochenenden voll für die Kinder da. Kommt jedoch ein Schnupfen, eine Krankheit oder geht das Leben einen anderen Umweg ist die Oma unverzichtbar. Die Großeltern sind meiner Meinung nach die die Wurzeln geben, weil sie Nähe und Familienverband abbilden, für die Flügel sind jedoch die Eltern zuständig und diese kommen dann auch von allein und dann ist das Loslassen sehr wichtig.

 

In dieser komplexen Welt, wo liegt da Ihr Fokus im Leben?

In meinem Fokus stehen Familie, Freunde, Kinder und Enkelkinder.

 

Und wie schaffen Sie es, diesen nicht zu verlieren?

Man muss aktiv etwas tun! Aktiv für die Nestpflege sorgen. Für mich ist es wichtig aufzustehen – mich in das Auto zu setzen – zu meinen Geschwistern oder meiner Familie zu fahren – dort reden, streiten, diskutieren, sich zu vertragen – und glücklich wieder heim zu fahren. Das ist das Um und Auf.

Wir haben in der Großfamilie die Feste immer gemeinsam gefeiert und diese Bräuche soll man auch beibehalten und pflegen.

 

Und was ist das Wesentliche für Kinder?

Kinder brauchen ihre heile Welt – ein schützendes Nest in dem sie wütend, traurig, glücklich und nachdenklich sein dürfen. Zu wissen, dass jemand da ist wenn der Wind rau weht. Ich habe eine große Familie und bin in einem großen Haus aufgewachsen. Ich wusste, dass mein Zimmer und Bett immer da sind, wenn ich mal keinen anderen Platz zum Schlafen habe. Ich wusste, dass ich immer nach Hause kommen kann. Zu Hause sollte jedoch nicht mit einem Ort verbunden werden, sondern mit einem Gefühl.

Die Kindheit ist die wichtigste und prägendste Zeit. In dieser Zeit brauchen Kinder Ruhe, Beständigkeit – sie ist die wesentliche Zeit zum Start in das Erwachsenenalter – um dann die Pubertät und alle anderen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Man kann unglaublich viele Erinnerungen, Gefühle in der Kindheit sammeln, an die man sich sein Leben lang erinnert und von ihnen zehrt.

 

Danke für das Gespräch!